Wie ‚challenges‘ dich entwickeln | Interview – Fridtjof Detzner

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Fridtjof Detzner, einer von drei Gründern der Webseiten-Baukasten Company ‚Jimdo‘. Die Gründungsgeschichte begann 2007 als 16 Jährige auf einem Bauernhof in Cuxhaven. Mittlerweile hat das Unternehmen 250 Mitarbeiter, Büros in Hamburg, Tokio, San Francisco und über 15 Millionen Webseiten, die mit Jimdo gebaut wurden.
Fridtjof ist nicht nur Jungunternehmer sondern auch leidenschaftlicher Sportler, der gerne seine sportlichen Grenzen testet, sich immer wieder challenged und hier verrät welchen Impact sportliche challenges auf deinen Mind haben. 

Was bedeutet Balance für dich und wie balancierst Du deinen Alltag?

Wenn ich es schaffe die Dinge, die mir im Leben wichtig sind wie z.B. Arbeit, Beziehung, meine Freunde und Sport über einen längeren Zeitraum unter einen Hut zu bringen, dann bin ich in „Balance“.
Um das schaffen zu können, plane ich tatsächlich inzwischen auch meine freie Zeit. Ich habe festgestellt, wenn ich das nicht plane, dass sie leicht verloren geht. Deshalb trage ich mir dafür auch Blöcke in den Terminkalender ein, was ich gar nicht unbedingt cool finde. Müsste ich es nicht, fände ich es sicher cooler aber so klappt es tatsächlich besser. Um es sachlich auszudrücken:

Die Zeit, die wir haben ist limitiert und die Frage ist, wie wir mit unserer limitierten Zeit umgehen wollen?

Im Grunde genommen sprechen wir über Reflexion und Prioritäten im Leben: was ist dir wie wichtig? Auf die Antwort darauf, solltest du probieren deine Zeit zu verwenden.

Welche Bedeutung haben 'challenges' für dich?

Ich habe früher viel an Wettkämpfen teilgenommen (z.B. Kitesurfen) und bin vom Naturell her ein kompetitiver Mensch. Ich setze „challengesmit Zielen für einen selber gleich, um sich zu fordern und einem selber ein Versprechen abzunehmen. Ziele, die einen fordern aber nicht überfordern, sodass der Spaß nicht verloren geht.

Beispielsweise habe ich mal zugesagt bei der Transalp mitzufahren – das ist ein Radrennen über die Alpen, 7 Tage, 1000 km und 20.000 Höhenmeter. Das Versprechen, dass ich mir abverlangt habe war, dass ich mir meine Zeit so einteile, um ausreichend trainieren zu können. Ich wollte das Abenteuer mit Spaß meistern und nicht nur überleben. Ein Jahr lang habe ich mich darauf vorbereitet und es hat geklappt – ich habe es nicht nur überstanden, sondern auch jede Menge Spaß dabeigehabt.

Challenges helfen Dir große Ziele in kleine Scheiben runter zu brechen und diese so in deinen Alltag zu integrieren.

Es gibt ein Sprichwort: How do you eat an elephant? – bit by bit. D.h. Du setzt Dir ein großes Ziel und brichst es runter in kleine Einheiten, die du jeden Tag machst und die dich deinem Ziel näherbringen.

Warum denkst Du, ist es wichtig, seine Komfortzone zu verlassen?

Challenges sind genau die Dinge, die außerhalb deiner Komfortzone liegen – außerhalb deiner Konfortzone sind sie, weil Du eben noch nicht die Fähigkeiten entwickelt hast. Fähigkeiten wie beispielsweise bei der Transalp: muskuläre Kraft, Ausdauer aber auch mentale Stärke. Wenn ich mir eine challenge setze, dann nehme ich mir selber das Versprechen ab, dass ich mich dorthin entwickele.
Ganz oft denkt man über Sachen nach, die man gerne erreichen will, aber erfindet gleichzeitig für sich sich selber Entschuldigungen, warum man es nicht machen kann. Man hat Blockaden im Kopf, die verhindern einfach mal anzufangen.

Man muss schaffen sich ambitionierte und gute challenges zu setzen, die nicht trivial sind, weil du sonst deine Komfortzone nicht zu verlassen brauchst.

Wenn Du deine Ziele dann in Scheiben runterbrichst und die einzelnen Dinge schaffst, dann gewinnst Du Vertrauen zu dir selber, wirst stärker und kannst den nächsten Schritt gehen. Deshalb finde ich auch wichtig, sich wiederkehrend challenges zu setzen. Nur so kann man lernen und vorankommen.

Welche persönlichen 'challenges' fordern dich aktuell?

Meine aktuellen persönlichen challenges liegen vorwiegend innerhalb von Jimdo. Die Frage, die ich mir stelle, ist, wie kann und muss ich mich verändern, um mit der Firma die nächsten Schritte gehen zu können. Wachsen tut weh und wir haben als Organisation gerade so etwas wie „Wachstumsschmerzen“. Aber die Veränderung muss sein, um sich weiterzuentwickeln – sowohl persönlich als auch als Unternehmen.

Welche Extremsportarten betreibst Du in Summe?

Ich liebe es in hohen Wellen mit meinem Kite zu surfen, gehe gerne neben der Piste skifahren (wie erst kürzlich in Kashmir), fliege mit meinem Paraglide-Schirm in den Alpen und übe mich an Tricks in der Luft. Außerdem speedglide ich, fahre Rennradrennen und fordere mich mit Halbmarathons.

Das klingt alles nach „Extremsport“, aber ich persönlich mag das Bild des „Extremsports“ gar nicht. Es suggeriert, dass jemand etwas Extremes und Leichtsinniges tut und das stimmt zumindest für mich überhaupt nicht. Ich bin mit dem Speedglider, der 3mal so schnell wie ein Paraglider ist, auch nicht einfach so direkt geflogen. Früher bin ich Drachen geflogen, dann lernte ich Windsurfen. Ich konnte also Drachen fliegen und konnte mit Brettern umgehen, so bin ich dann zum Kitesurfen gekommen. Dann probierte ich das Paragliden, was auch nichts anderes als ein großer Drache ist. Als ich dann Paragliden und Skifahren kombinierte wurde daraus Speedgliden.

Für mich existierte also ein Weg dahin und jeder weitere Schritt fühlte sich sehr natürlich an.

Aber klar, wenn Leute von außen drauf schauen, dann sieht es eben sehr extrem aus, weil die Sportarten nicht so alltäglich sind.

Welche Parallelen siehst Du zwischen deinem Sport und dem Unternehmertum?

Parallelen zum Unternehmertum sehe ich durchaus in dem Sport selber und auch in der Ausdauer, die man dafür benötigt.

Wenn Du zum Beispiel mit dem Paraglider startest, musst Du dir Gedanken über die Rahmenbedingungen machen. Wie ist das Wetter, wie ist die Startbahn, sollte ich starten, kann ich die Situation einschätzen? Basierend auf deiner Einschätzung triffst Du eine Entscheidung. Jede Entscheidung hat Konsequenzen und das ist meine Risikoabwägung. Ich muss mit mir selber sicher sein, meine Fähigkeiten richtig einschätzen. Gehe ich beispielsweise beim Kitesuren in eine zu hohe Welle und kann meinen Umgang mit der Welle nicht einschätzen, dann wird die Situation unkontrollierbar und dann auch gefährlich. Das Wichtigste ist also zu lernen, Situationen einzuschätzen. Natürlich bleibt immer ein Restrisiko bei deiner Einschätzung, aber das ist eben immer so. Beim Unternehmertum ist es ähnlich. Ein Unternehmen ist eine Unternehmung, ein Abenteuer und wenn ich ein zu großes Risiko eingehe bzw. die Rahmenbedingungen nicht richtig abschätze, dann kann ich das gesamte Unternehmen in Gefahr bringen. Jede Entscheidung, die man trifft, ist immer mit einem Risiko verbunden, aber sie darf auch nicht zu risikoreich sein, dass ich das ganze Unternehmen aufs Spiel setze. Genau so setze ich beim Paragliden eben auch nicht mein ganzes Lebens aufs Spiel.

Wie gehst du mit Niederlagen um?

Mit Niederlagen umzugehen ist wahrscheinlich für niemanden leicht und auch ich kämpfe jedes mal wieder damit. Was mir aber als Strategie hilft, ist retrospektiv auf die vergangenen Herausforderungen zu schauen, die erfolgreich gelöst wurden. Probleme, die wir überkommen mussten, zu sehen, dass wir damit umgehen konnten und uns darüber auch entwickelt haben. Das ist dann wiederum ein sehr positives Gefühl.

Ich bin den Herausforderungen also auch sehr dankbar, weil sie mir geholfen haben mich zu entwickeln.

Und das gibt mir eine gewisse Art von Souveränität zu sagen, ok das nächste Ding schaffen wir auch.

Wenn du bei 'Wünsch-Dir-was' wärest, what's your catchAwish?

Im Moment bin ich wirklich glücklich, aber ich möchte schon gerne mal mehr ZEIT haben. Unsere Zeit ist limitiert und noch bin ich in einem Alter, wo ich Dinge erleben kann, die im Alter möglicherweise schwieriger werden. Gerne möchte ich mal um die Welt segeln und vor allem die Zeit haben, das genießen zu können. Es ist einfach schwer, alle und jeden seiner Wünsche unter einen Hut zu bekommen und manchmal muss ich Dinge cutten, für die ich gerne mehr Ruhe und Zeit gehabt hätte. Ich bin absolut ok damit, wie es aktuell ist aber, wenn ich bei Wünsch-Dir-Was wäre, dann ist ZEIT mein Wunsch.

Geld kannst Du verdienen aber Zeit bekommst Du nicht mehr zurück.

 

Fridtjof Detzner
Co-Founder von Jimdo 
Bau deine eigene Webseite auf JIMDO - Design auswählen. Bilder hochladen. Text rein. Fertig! (de.jimdo.com)
saddi

Founder

Onlinemagazine about Microadventures

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