The Wheel of Life! Sind wir Hamster? Ist das Leben ein Rad?

Mein „Wheel of life“:

In den vergangenen 12 Monaten verbrachte ich über 720 Stunden entweder sitzend, liegend oder stehend im Flugzeug, im Auto, in der Bahn oder im Bus. Das ist ziemlich genau ein ganzer Monat am Stück! Ich war in 37 verschiedenen Städten auf 3 Kontinenten. Ich verbrachte mehr als 200 Nächte in Hotelbetten in insgesamt 42 verschiedenen Hotels. Nur manchmal ging ich dort zu den meist reichhaltigen Frühstücksbüffets. Häufig blieb ich lieber 30 Minuten länger im Bett liegen um irgendwie den allgegenwärtigen Zeitmangel auszugleichen. Arbeiten sollte ich dann immer wieder, fast jeden Tag. Keine Zeit um nachzudenken, über mich, wo ich stehe. Wenn wir ständig unterwegs sind und immerzu für andere arbeiten, dann vergessen wir ziemlich schnell wer wir sind, wo wir sind und wofür wir das alles machen. Nicht weil wir es nicht wissen würden, sondern weil wir uns die Zeit dafür nicht nehmen.

Immer nur das nächste, wer bremst verliert…

Ich für meinen Teil stellte nur das in den Vordergrund, was mich am ehesten bewegte, der nächste Meilenstein, der nächste Workshop, das nächste Meeting. Essen? Ungesund und zu absurden Tageszeiten. Sport? Mal weniger, mal gar nicht. Freizeit? Meistens müde oder schlafend verbracht. Hobbys? Keine Zeit, ich musste ja schlafen oder ich war zu müde, Gesundheit? Kaffee, Zigaretten, Alkohol, schlechte Ernährung und zu wenig Sport. Familie? Lange nicht gesehen. Karriere? Ok das lief ganz gut. Auf wessen Kosten das ging, sollte nun aber auch mir klar werden. Man sollte meinen ich würde meinen Job verfluchen. Immer wieder höre ich Menschen sagen: Den Job kannst du aber nicht ein Leben lange machen, oder? Ich glaubte lange, dass die Antwort auf diese Frage klar und vor allem einfach zu beantworten sei. Doch wurde mir irgendwann eines bewusst…

Viel zu schnell unterliegen wir dem Irrglauben, dass wir eine Sache ändern könnten, in dem wir eine andere abschaffen

Ich könnte beispielsweise meinen Job kündigen und mir einen komplett anderen suchen. Aber wäre ich damit glücklicher? Woher sollte ich das vorher wissen? Denn: Womit bin ich überhaupt glücklich und unglücklich? Mein Job lief gut und machte rückwirkend betrachtet sogar Spaß. Durch den Job habe ich so viele Menschen kennengelernt, so viele neue Kulturen, so viele Orte gesehen. Ich merke, dass ich heute einen ganz anderen Blick auf die Welt habe als vor einigen Jahren. Ich beurteile Situationen heute einfach anders: Entspannter und viel sicherer. Eines Abends, in einer Hotelbar, führte ich ein äußerst inspirierendes Gespräch mit einem mir bis dahin unbekannten älteren Herren, welches mich verleitete mir folgende Frage zu stellen: Ist mein Leben durch meinen Job negativ beeinflusst oder beeinflusst meine „Einstellung zu meinem Job“ mein Leben negativ?

Wie kannst du unzufrieden sein, wenn du nicht weißt was dich zufrieden macht?

Die Frage, die mir der Herr nämlich stellte war: Wie kannst du unzufrieden sein, wenn du noch nie ernsthaft darüber nachgedacht hast, was dich im Leben überhaupt glücklich machen könnte? Tatsache – das hatte ich nie getan, nie ernsthaft, nie zusammenhängend, nie so dass es alles einen Sinn ergab. Er gab mir noch folgenden Hinweis: Unser Leben besteht aus vielen Facetten, es gibt nicht nur schwarz und weiß. Die Kunst ist es, mit allen Bereiche des Lebens zu jonglieren. Dein ausbalanciertes Lebensrad.

„The Wheel of Life!“ und die unerwarteten Antworten

Zum ersten Mal in meinem Leben schrieb ich mir auf welche Lebensbereiche für mich Relevanz haben: Gesundheit, Familie, Beziehung, Freundschaft, Sport, Freizeit, Job, Finanzen. Die Bereiche die ich mir da aufgeschrieben habe können auch für dich wichtig sein, es könnten bei dir aber auch weniger oder sogar mehr sein. Darüber musst du dir selber Gedanken machen. Alle relevanten Bereiche werden dann kreisförmig aufgezeichnet und wie in einem Spinnennetz miteinander verbunden. Jeder Bereich erhält zudem eine Skala von 0 = sehr unzufrieden bis 10 = sehr zufrieden. Das ganze ist dann das sogenannte Wheel of Life  😉 Nun trug ich ein wie zufrieden ich mit dem jeweiligen Bereich war. Nicht mal eben so, denn ich musste mir ja Gedanken darüber machen woran ich die Bewertung festmache. Also bewertete ich alle Bereiche absolut unabhängig voneinander, indem ich mir für jeden Bereich positive und negative Dinge aufschrieb. Für die 8 von mir definierten Lebensbereiche hatte ich somit 8 kleine Pro und Contra Listen mit Stichpunkten. Diese kleinen Listen dienten mir als Basis der jeweiligen Bewertung, die ich um einen „gefühlten“ Bonus oder Malus für jeden Bereich noch auf -oder abwertete. Danach begann ich zu überlegen welche Bereiche sich gegenseitig beeinflussen und in welchen Bereichen ich unabhängig voneinander „Micro-Optimizen“ kann.

Perspektivenwechsel bringt Erleichterung

Im Grunde genommen stelle ich heute fest, dass es nicht mein Job ist, der mich glücklich oder unglücklich macht. Viel mehr stelle ich fest, dass aus meinem Job heraus viele andere Bereiche meines Lebens, die mir wichtig sind, positiv gefüttert werden. Sowas wird einem dann klar wenn man es z.B. im Wheel of Life schwarz auf weiß vor sich sieht. Selbstverständlich gibt es auch Bereiche, die ich noch optimieren kann und definitiv auch werde. Nichts desto trotz weiß ich heute, dass alles nicht so negativ ist, wie anfangs vermutet.

Es ist tatsächlich eine Frage der Perspektive, wie Du mit gewissen Umständen umgehst, wie Du diese auch interpretierst.

Zum Beispiel hatte ich mal gedacht, dass ich zu wenig Zeit mit meiner Familie verbringe und ich deswegen unglücklich bin. Ich hatte dann versucht meine Familie häufiger zu besuchen, doch auch das war anstrengend und auch nicht viel zufriedenstellender. Denn jeder in meiner Familie hat andere Interessen und nutzt das Wochenende gerne für Aktivitäten, die ich hingegen nicht unbedingt bevorzuge. Darüber hinaus musste ich dann am Wochenende noch mal quer durch das Land reisen, und kam so überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Wir haben das jetzt anders geregelt. Mit meinen Geschwistern, Schwägern, Cousinen, Neffen und Nichten stehe ich im ständigen Austausch. In einer Familien WhatsApp Gruppe teilen wir Bilder, Videos und Emotionen. Meinen Eltern habe ich beigebracht wie Skype funktioniert und einmal pro Halbjahr planen wir alle gemeinsam ein großes Familientreffen. Das „Vermissen“ lies sich dadurch lindern und somit auch das Gefühl unglücklich zusein. Niemand von Ihnen wäre nämlich auf den Gedanken gekommen, dass ich meinen Job kündigen sollte um mehr Zeit für sie zu haben. Sie arbeiten ja auch von Montags bis Freitags oder gehen zur Schule.

Ich ernähre mich jetzt viel bewusster, mache lieber 20 Minuten Sport als keinen, gehe früher ins Bett und lese davor jetzt auch wieder ab und zu im Buch anstatt ständig den Sleeptimer vom TV einzuschalten. Ganz oft trinke ich einfach mal einen Tee statt einem Kaffe. Während meiner Dienstreisen plane ich mir jetzt nach Möglichkeit Auszeiten ein um mir die Orte und Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Lange Flugstrecken legen ich jetzt ausschließlich Nachts zurück, um die Zeit zum Schlafen zu nutzen. Es sind eigentlich nur kleine Dinge die ich geändert habe, aber kontinuierlich angewandt haben Sie eine große Wirkung.

Dein persönliches „Wheel of Life“ kann Dir definitiv dazu verhelfen Perspektiven zu ändern, zu erneuern und weiterzuentwickeln! Und es kann auch der leise Startschuss in ein ausgeglicheneres und glücklicheres Leben sein.

 

Probiert’s aus!

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